März 2021

Corona wühlt den Grund auf! Fundamental Wichtiges kommt neu in den Blick.

In dieser Zeit der Distanz bekommt Gemeinschaft eine ganz neue Bedeutung. Menschen sind zu ihr berufen. “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ (1. Mose 2,18)

„Wir leben nur dann wirklich gut, wenn wir Teil einer Gemeinschaft sind. Zugleich ist Gemeinschaft ein wesentlicher Verstärker – sie schleift, nervt, inspiriert, verändert, fordert heraus. Eben deswegen gehört sie zu den Grundbedingungen von Glauben und Leben, die Gott uns verordnet.“ (Tobias Rink)

Unsere Beziehungen sind vielfältig. Die Beziehung zu uns selbst, Ehe, Eltern und Kinder, der Hausstand. Aber auch darüber hinaus die ganze Bandbreite mit der Gemeinschaft in der Schule, am Arbeitsplatz, im Dorf, in der Kirchgemeinde, in der Verwandtschaft, im Land, zum Volk Israel und als Völkergemeinschaft…

Je nach Lage, kann sich zur Zeit für die einen das Gefühl des Alleinseins verstärken. Für manche Kinder, Lehrer und Eltern wurden die vergangenen Wochen zur Katastrophe. Mit dem Partner und in der Familie haben wir wenigstens noch ein Mindestmaß an Gemeinschaft. In der Familie begegnet man sich leibhaftig, kann miteinander reden, essen und irgendwas anstellen. Es ist auch nicht zu verachten, dass Geschwister bzw. Eltern und Kinder miteinander lernen können, Konflikte auszutragen, sich zu streiten und zu einigen.

Ja – wenn nichts mehr geht – können wir den Wert unseres Zuhauses und unserer Basis-Beziehungen erkennen. Aber eben auch die Schwachstellen. Die 24/7-Belastung der Beziehungen kann zum Härtetest werden. Weil wir in der Illusion leben, es gäbe „normale“ Menschen, so, wie wir sie uns eben vorstellen. Das geht so lange, bis wir die Erfahrung machen, mit der John Ortberg ein Buch benennt: „Jeder ist normal, bis du ihn kennen lernst“.

Menschen gehen Beziehungen mit ihren eigenen Träumen und Idealvorstellungen ein. Viele Frauen wagen eine Ehe mit dem „wahnwitzigen“ Vorsatz: “Den biege ich mir schon noch zurecht!“

Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinem Buch „Gemeinsames Leben“: „Es ist aber Gottes Gnade, die alle derartigen Träume (rasch) zum Scheitern bringt. Die große Enttäuschung über die anderen, über die Christen im Allgemeinen und, wenn es gut geht, auch über uns selbst, muss uns überwältigen, so gewiss Gott uns zur Erkenntnis echter christlicher Gemeinschaft führen will. Je bälder die Stunde dieser Enttäuschung über den Einzelnen und über die Gemeinschaft kommt, desto besser für beide. …“

Diese jetzige Zeit kann daher auch Möglichkeiten eröffnen, in die Ehe zu investieren. Vielleicht gibt es ja schon lange anstehende Themen, über die wir unbedingt einmal sprechen müssten und jetzt die Zeit dazu hätten. Vielleicht! Denn vielleicht sind Homeoffice und Homeschooling noch aufreibender als der so genannte normale Arbeits- und Schulalltag. So heißt es in einer Einladung zu einem Seminar für Familien:

“Kinder brauchen Eltern, die in der Familie die Führung übernehmen und auf eine respektvolle Art und Weise altersangemessene Grenzen und Regeln aufzeigen. … Wir möchten Sie ermutigen, diese Verantwortung wahrzunehmen …, damit sich ihre Kinder zu konfliktfähigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten entwickeln können.

… Da viele Eltern die Medienerziehung als sehr herausfordernd empfinden, möchten wir Ihnen bei diesem hochaktuellen Thema Hilfestellung geben, wie sie ihre Kinder so begleiten können, dass Medien das Leben bereichern und nicht bestimmen.“

Gelingt Ihnen/Euch das? Wir wissen es: Eine gute Ehe und Familie ist damit nie fertig, sondern immer am Lernen und Fragen und Investieren. Die Ehe ist wie eine eigene Person – wie ein Kind, dass um die Aufmerksamkeit seiner Eltern kämpft. Das ist das Stressige an Ehe und Familie: Alle wollen etwas. Und ich selbst auch! Daher brauchen wir für uns selbst, den Partner und die Kinder – und unseren Verantwortungsbereich eine Kraft-Quelle, aus der wir schöpfen können.

 

Wem es möglich ist, kann folgendermaßen beten:

Jesus, heile diese Gefühle, die nicht von Dir hervorgebracht wurden. Gefühle, die sagen, dass ich wertlos sei, eine Zumutung, dass ich nicht gewollt sei oder dass ich zu einer ungünstigen Zeit empfangen und geboren wurde. Heile und reinige mich von den Gefühlen, dass ich eine Last sei, dass ich ein Objekt wäre, das man nach Belieben benutzen könne, ein Gegenstand in der Welt, anstelle eines kostbaren kleinen Kindes, das geliebt wird, wertgeschätzt wird, beschützt, geehrt und ernährt. Bitte reinige mich in dem Grundgefühl, dass ich eine Enttäuschung wäre, dass ich es nie schaffen würde oder nicht genug wäre. Heile und reinige mich von allem Vergleichen mit anderen, von Konkurrenzkampf, von Beurteilung, Verurteilung und von Vertreibung und Ablehnung. Durch deine Wunden am Kreuz bin ich geheilt von „Ablagerungen“ von Vorwürfen, Scham, Verwirrung und von Selbsthass.

Ich entscheide mich, die Lügen, denen ich geglaubt habe, durch die biblische Wahrheit zu ersetzen. …

Du, HERR, wirst wieder aufbauen, was tief unglücklich und niedergedrückt war, Du wirst die Jahre erstatten, die „von den Heuschrecken gefressen wurden“. Du wirst das vollenden, was Du begonnen hast.

 

~ Pfarrer Bernd Schieritz