Impuls, Mittwoche 06. Januar

Heißer Tipp und kaltes Wasser
Ihr Lieben, er war im besten Mannesalter, sah gut aus, war braungebrannt, muskulös und hatte volles schwarzes Haar. Sein Gang war stolz und aufrecht. Er war sehr beliebt, nicht nur bei seinem Chef, sondern beim ganzen Volk. Er, Naaman, der Feldherr von Syrien, hatte im letzten Krieg einen großen Sieg errungen. Man verehrte ihn und jeder wollte ihm so nahe wie möglich sein. Doch wie aus dem Nichts war sie da, diese heimtückische, unheilbare und ansteckende Krankheit.
Aussatz. Im Nu war er allein. Jeder, auch seine besten Freunde, hielten Abstand zu ihm. Es nutzte nicht, dass er privat krankenversichert war und täglich ein anderer Arzt zu ihm nach Hause kam. Es gab auch keinen geeigneten Impfstoff, der hätte helfen können.
Doch da gab es dieses junge ruhige Mädchen mit den warmen Augen, seine jüdische Sklavin. Was hatte sie zu seiner Frau gesagt? Es gäbe in ihrer Heimat einen Mann Gottes, einen Propheten, der ihm bestimmt helfen könnte. Sich an diesen Strohhalm klammernd und einer Überweisung seines Arbeitgebers in der Hand, holte er sein teuerstes und schnellstes Kamel aus der Garage und machte sich auf die weite Reise. Vorsorglich hatte er sein halbes Konto abgeräumt, dass er bei einer eventuellen Heilung ein ordentliches Honorar zahlen konnte. Begleitet wurde er von seiner Leibwache, natürlich im vorgeschriebenen Abstand. Als er endlich beim König von Israel ankam, war dieser vom Anliegen Naamans entsetzt und mit der Bemerkung – Ich bin nicht Gott – schickte er ihn zum Propheten Elisa. Der könnte ihm vielleicht helfen. Schon etwas angefressen stieg Naaman wieder auf sein edles Tier und trabte zu Elisa. Dort angekommen empfing ihn der Prophet nicht einmal selbst, sondern ließ durch seinen nicht ganz astreinen Diener Gehasi ausrichten – bade dich sieben Mal im Jordan, dann bist du geheilt. Wutentbrannt schrie Naaman – ich lass mich doch nicht zum Affen machen. Ich habe mir doch nicht den Hintern wundgeritten, um in dieser Dreckbrühe unterzutauchen. Bei uns gibt es wesentlich sauberere Flüsse. Das muss ich mir nicht antun.
Erbost und enttäuscht gab er den Befehl zur Heimreise. Zum Glück hatte er gute Berater, die ihn ermutigen, es doch wenigstens zu versuchen. So stieg er etwas zögerlich mit seiner neuen Badehose in den trüben Jordan und das Wunder geschah.
In 2. Könige 5,24 heißt es – da wurde sein Leib wieder rein, wie der Leib eines kleinen Knaben.
Ich wäre gern dabei gewesen, als Naaman galoppierend wieder zu Hause ankam.

Was bei den Menschen unmöglich scheint, ist möglich bei Gott.
ER ist derselbe, gestern, heute und in alle Ewigkeit.

~ Jürgen Meyer