Impuls, Dienstag 02. März

Selbst-verständlich

Ihr Lieben, manchmal verstehe ich nur Bahnhof. Wenn ich zum Beispiel eine Versicherungspolice, ein amtliches Schreiben oder Ähnliches vor mir liegen habe, frage ich mich oft, was will der Künstler hiermit ausdrücken? Ich sage mir dann immer, kann man das zu Vermittelnde nicht so schreiben, dass es der Otto – Normalverbraucher auch verstehen kann?
Auch sind manche Predigten (nicht die unseres Pfarrers) so theologisch ausgereift und mit christlichen Insiderbegriffen gespickt, dass die eigentliche Botschaft schwer herauszuhören ist.
Eine alte Frau saß einmal in einem Gottesdienst ihrer Gemeinde in der ersten Bankreihe und schaute mit großen Augen zur Kanzel hoch. Dort predigte ihr Pfarrer und brannte ein theologisches Feuerwerk ab, auf das sein früherer Professor stolz gewesen wäre. Am Ausgang verabschiedete der Hirte strahlend seine Schäfchen. Als er der alten Frau kräftig die Hand schüttelte, sagte diese –
Herr Pfarrer, ich habe leider nichts von ihrer Predigt verstanden. Erst als sie aus der Bibel vorgelesen haben, habe ich die Botschaft begriffen.
Ihr Lieben, manchmal kann die Intelligenz dem Glauben im Wege stehen. Deshalb sind mir die Worte Jesu aus Lukas 10, 21 sehr sympathisch. Dort sagt Er – Oh ich preise dich, Vater, du Herr Himmels und der Erde, dass du dieses Weisen und Klugen verborgen, aber kindlich Einfältigen geoffenbart hast.
Das entspannt mich sehr.
Wenn natürlich Intelligenz und Glauben zusammentreffen, ist das wunderbar. Hochintelligent und tiefgläubig ist eine traumhafte Verbindung, aber bei Gott ist jeder Mensch schon weise, der Ehrfurcht vor Ihm hat und Ihm vertraut. Wenn wir den Vater bitten, uns, durch Seinen Heiligen Geist, Sein Wort aufzuschließen, werden wir es verstehen, so, wie wir es gerade brauchen. Er macht es für mich selbst – verständlich.
Übrigens freut sich Gott weniger über Doktortitel, sondern mehr über das Zeugnis von uns für Ihn.

~ Jürgen Meyer