Impuls, Fr 24. April

Ihr Lieben, es ist schon ein paar Jahre her, da blinkte die Warnleuchte auf dem Kasten unserer Kläranlage. Irgendetwas funktionierte nicht. Wir informierten die Firma, die sich darum kümmern wollte. Als ich am nächsten Tag zum Mittagessen nach Hause fuhr, und in unser Grundstück einbog, bot sich mir ein Bild, das ich nie vergessen werde. Es war so irreal. Der Klärgrubendeckel war geöffnet und ein großer schlanker Mann in einem strahlendweißen Overall mit Kapuze stieg langsam auf einer Leiter Stufe um Stufe in unseren Fäkalienbassin. Dabei verzog er nicht einmal das Gesicht, sondern tat, als wäre es das Normalste auf der Welt. Nach ungefähr einer halben Stunde stieg er wieder aus der übelriechenden Brühe, die auch ich mit verursacht habe,und sagte : – geschafft. Dabei mußte es ihm doch zum Brechen gewesen sein. Der Mann schloß den Deckel der Klärgrube, zog seinen Overall aus, schrieb in seinen Unterlagen und sagte, sollte wieder etwas sein, einfach anrufen, ich komme. Er hatte ruhig und ohne zu schimpfen seinen Job gemacht.
Es ist eigentlich nicht schwer, eine Parallele zum Auftrag Jesu, unsrem Retter für diese Welt zu ziehen. Er kam nicht mit weißer Weste, sondern als der unbefleckte, reine Sohn Gottes auf diese aus allen Ritzen stinkende Welt. Er kam
herab, um wieder herzustellen, was wir, was ich durch unsere Schuld, durch unser sündhaftes gottloses Leben kaputtgemacht haben. ER tat es ohne Murren, ohne Vorwürfe. ER tat seinen Job.
Das ist auch so irreal, so unbegreiflich, dass Gott sich zu uns herabbeugt, Seinen einzigen Sohn opfert, um unseren Dreck weg zu machen. Es ist vollbracht, waren seine letzten Worte. Geschafft!
Sollten wir IHM dafür nicht jeden Tag danken, IHN loben und ehren?
Als der Mann in sein Auto stieg, glaube ich gehört zu haben, dass seine Firma bald Tag der offenen Tür hat, aber nur der Chef wisse, wann der stattfindet. Da will ich hin und IHN persönlich kennenlernen.

~ Jürgen Meyer