Impuls, Di 02. Juni

Ihr Lieben, er war schon bei hunderten von Geiselungen und Hinrichtungen dabei gewesen, der römischen Hauptmann. Er kannte die Qualen, die die Menschen durchlitten, die Schreie, die Flüche, das Stöhnen, das brutale Dahinsiechen der Verurteilten. Er war schon bei so vielen Kreuzigungen dabei gewesen, so dass er genau die Etappen der Sterbenden kannte, die sie dabei durchlitten, Es machte ihm nichts aus, er war da schon so abgebrüht, es war ja sein Job.
Doch heute war es anders. Der Hauptmann hatte den Mann, von dem einige behaupteten, er sei der König der Juden, und der jetzt vor ihm am Kreuz hing, schon am Tag vorher beobachtet. Er hatte sich wehrlos gefangen nehmen lassen. Man hatte ihn angespuckt, aufs hässlichste verspottet, eine Dornenkrone auf sein Haupt gedrückt und schließlich bestialisch ausgepeitscht. Er hatte alles, wie ein Schaf, das man zur Schlachtbank führt, erduldet. Jetzt hing er vor ihm am Kreuz und nahm nicht einmal diesen schmerzstillemden Saft an, den man ihm reichen wollte. Er rief sogar zu seinem Gott – Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Und damit meinte er nicht nur die Soldaten, sondern auch ihn. Als sich ihre Blicke trafen, sah er keinen Hass, sondern Liebe in all den Schmerzen. Als Jesus gestorben war, bekannte der Hauptmann – dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen (Mark. 15,39)Es gab zu Jesu Zeiten viele Menschen, die Ihm vertrauten, weil sie sahen, was Er für Wunder tat. Er heilte Kranke, vermehrte Brot, stillte Stürme und weckte sogar Tote auf. Dieser Hauptmann erkannte in Jesus, den Sohn Gottes, weil er wusste, so leidet und stirbt kein normaler irdische Mensch.
Mir zeigt diese dramatische Geschichte, daß die Leute um uns herum schauen, wie gehen die Christen mit Leid, Verlust, schweren Krankheiten und Pandemie um? Wie verhalten sie sich, wenn Sterben und Tod sich ankündigen? Strahlen sie dann immer noch die Ruhe und Gelassenheit aus und vertrauen sie immer noch ihren Gott, an den sie glauben? Stimmen Theorie und Praxis überein? In Krisenzeiten zeigt es sich, ob unser Glaube etwas wert ist, ob er trägt. Vielleicht ist unser Verhalten in dieser Zeit, unser Frieden in Gott ein Zeugnis für suchende Menschen, um Gott zu begegnen.

~ Jürgen Meyer