August 2020

An einem kalten Januarmorgen 2007 betritt ein junger Mann in Alltagsbekleidung und Baseballkappe eine U-Bahn-Station in Washington. Viele Menschen sind unterwegs zur Arbeit. Der junge Mann holt seine Geige hervor, legt den Geigenkasten vor sich hin und beginnt zu spielen. Es dauert ein paar Minuten, bis der erste Passant den Geiger bemerkt. Er verlangsamt seinen Schritt für ein paar Sekunden, aber er unterbricht seinen Weg nicht. Kurz darauf wirft eine Frau den ersten Dollar in den Geigenkasten, aber sie bleibt nicht stehen. Ein junger Mann hält inne um zuzuhören und lehnt sich an die Wand. Aber nach einem kurzen Blick auf seine Uhr geht er abrupt weiter.

Der Geiger spielt und spielt, fast eine Dreiviertelstunde Stücke von Bach, Schubert und anderen Komponisten klassischer Musik. Zum Schluss bleibt eine Frau mit einem Plastikbeutel stehen, erst ungläubig, dann bewundernd. Sie hat den Mann erkannt. Es ist Joshua Bell. einer der besten Musiker unserer Zeit.

Mehr als 1000 Menschen sind an ihm vorbei gekommen. Weniger als zehn Menschen sind stehen geblieben, um ihn für kurze Zeit zuzuhören. Etwa 25 Passanten warfen insgesamt 32 Dollar in den Geigenkasten. Er spielte unter anderem eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke von Johann Sebastian Bach (“Chaconne in d-Moll”). Die Geige, auf der er spielte, war 3,6 Millionen Dollar wert. Ein paar Abende zuvor hatte Joshua Bell vor ausverkauftem Haus in Boston das gleiche Konzert. Die Karten kosteten durchschnittlich 100 Dollar.

Die Zeitung “Washington Post” hatte dieses Experiment in Auftrag gegeben. Sie wollte herausfinden, ob Menschen Schönheit auch in einem ganz alltäglichen Umfeld und zu unpassender Zeit wahrnehmen. Auch, ob sie sich in einem festgelegten Tagesablauf von besonderen Augenblicken berühren lassen können.

(Aus: Karin Seethaler, “Die Kraft der Kontemplation”, S. 62 f)

 

lch habe mich gefragt, ob Gott nicht in unserem Alltag wichtige und schöne Momente arrangiert. Wir dürfen uns bewusst machen, dass Gott auch in Zeiten von Anspannung, Verpflichtungen und intensiver Arbeit seinen Schatz im Acker verborgen hat. Und er ermutigt uns zu besonderer Aufmerksamkeit im Urlaub, wenn uns Betriebsamkeit und Zeitdruck nicht in Atem halten.

Wenn Gott mit uns reden oder auf etwas aufmerksam machen möchte, dann brauchen wir nicht aus Anstand inne zu halten, sondern weil wir sonst Leben verpassen, weil wir sonst IHN selbst verpassen.

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Juli 2020

Ihr Lieben,

aus heizungstechnischen Gründen mussten wir vor fünfzehn Jahren über die Hälfe unseres Grundstückes ausbaggern lassen, um Leitungen zu verlegen. Es entstanden beängstigend hohe Berge an Erdaushub und ich bezweifelte, ob ich wirklich die richtige Heizungsvariante gewählt hatte. Leider ließ es sich aus Platzgründen nicht vermeiden, das von meiner Frau gepflegte Erdbeerbeet als Zwischenlager für Tonnen von Dreck zu benutzen.

Wir legten also schwere Gummimatten darüber und der Bagger tat seine Arbeit. Nach ein paar Wochen entlasteten wir das Beet und entfernten die Matten. Es gab schon glücklichere Momente in unserem Eheleben als dieser erbärmliche Anblick, der sich uns da bot! Lohnte es sich wirklich noch, die nur noch zu erahnenden Pflanzen ins Leben zurückzuholen?

Meine Frau kämpfte um jede Pflanze, hackte, düngte und goss liebevoll. Das Resultat war überwältigend. Selten habe ich solche herrlichen Erdbeeren gesehen. Eine Ernte wie im Bilderbuch!

Was war geschehen? Die Pflanzen mussten unter dem gewaltigen Druck, um zu überleben, ihre Wurzeln mit Wasser und Nährstoffen anreichern und wuchsen deshalb erst einmal in die Tiefe. Als die Last weggenommen war, konnten sie mit Hilfe meiner Frau und der Wärme des Sonnenlichts umso kraftvoller wachsen und wunderbare Früchte tragen.

Die gegenwärtige Situation ist auch für die meisten von uns eine richtige Last, die wir aushalten müssen. Wenn wir durchhalten und nicht aufgeben, werden auch unsere Glaubens-Wurzeln wachsen und gestärkt. Wenn wir uns mit dem lebendigen Wasser und den Nährstoffen aus der Bibel ernähren, werden wir umso kraftvoller aus dieser belastenden Zeit hervorgehen. Einmal wird die Entlastung kommen und ich bin überzeugt, dass wir mit Hilfe Seines Lichts bessere Früchte hervorbringen werden, als wir ahnen können.

~ Jürgen Meyer, Andacht vom 25.04.2020

Juni 2020

Wir leben in einer angespannten Situation. Einerseits können wir sehr dankbar sein, dass in unserem Bereich gesundheitlich, von Infektionen her, nur wenige Menschen vom Corona-Virus betroffen sind. Andererseits scheint es noch lange zu dauern, bis alles wieder im „grünen Bereich“ ist.

Ich frage mich, weshalb Ängste und Aggressionen gerade mit der Lockerung der Einschränkungen unserer Freiheiten an die Oberfläche gekommen sind? Vielleicht, weil der Schmerz erst so richtig mit dem Nachlassen der Ursache fühlbar wird. Wenn der Schock weicht, fühlt man den Schrecken. Wenn sich das Hochwasser verläuft, wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Manche werden im Urlaub oder im Ruhestand krank, weil die Anforderungen nachlassen. Und die Angst um die wirtschaftliche Zukunft! In dieser Gesellschaft bekommt man nur etwas, wenn man sich deutlich zu Wort meldet und die Anstrengungen noch einmal erhöht!

Und die Angst, unterzugehen, fremdbestimmt, beherrscht zu werden. Es ist wie, als ob wir auf den OP-Tisch müssten und die Selbstkontrolle verlieren würden. Denn es kursieren Befürchtungen, dass Regierungen und andere Kräfte diese Schwäche und Krise ausnutzen, um „die Stunde der UNO“ schlagen zu lassen, irgendeine Welteinheitsregierung und -Religion zu installieren und Zwangsmaßnahmen einführen, die wir in der Not zwar notwendig finden, aber anschließend nicht mehr abzuwenden sind.

Ich denke nicht, dass diese Zeit gekommen ist.

In der Bibel steht jedoch, dass so etwas kommen wird. Das macht Angst. Jesus weiß das.

Deshalb stehen diese Ankündigungen erst nach den vielen Kapiteln, in denen wir JESUS als Arzt körperlicher und seelischer Krankheiten, als Versorger in Not, als Freund der Kinder, als Befreier von Zwängen, Angst und Tod erleben. Und dann gibt er sogar noch sein Leben für die, die ihn auslachen, ignorieren oder gar nicht kennen. Und dann sehen wir ihn als den Auferstanden. Und dann als den, der mit der Himmelfahrt in den Herrschaftsbereich Gottes zurückgegangen ist und nun Vollmacht über den ganzen Kosmos hat. Und dann sendet er Seinen Geist. Damit wir nicht daneben stehen, sondern Sein Leben in uns tragen können.

Gab und gibt es auf dieser Welt eine Führungsperson, die so vertrauenswürdig ist? ER führt aus der Enge der Angst in die Weite des Lebens.

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Mai 2020

Liebe Leserinnen und Leser dieses Grußes,

es braucht in diesen besonderen Zeiten schon fast eine prophetische Gabe, um drei Wochen zuvor etwas zu schreiben, was auch dann noch Gültigkeit haben könnte, wenn Sie den Lokalanzeiger lesen werden.

Ich beginne einfach mal mit dem gegenwärtigen Erleben.

Wir werden durch die Medien sehr gut über die Dynamik der Corona-Pandemie informiert. Das hilft etwas gegen Angst und Ohnmacht.

Wir haben und nehmen Anteil an Situationen, in denen Personen gesundheitlich bedroht und medizinisches Personal und Verantwortliche in der Politik in noch höherem Maß als sonst schon gefordert sind. Und doch bleibt ein Rest an Fragen, die wir meist nur im Zweiergespräch stellen können.

Wenn unterwegs oder im Dorf ein solcher Kontakt entsteht und es gelingt, offen auf wesentliche Fragen zu sprechen zu kommen, dann ist das sehr wohltuend und bewegend. Viele machen sich über Zusammenhänge Gedanken, die im Fernsehen nicht angesprochen werden.

Zum Beispiel: „Hoffentlich geht es nach dem Abklingen der Krise nicht weiter wie bisher!“ (Arbeitgeber und Arbeitnehmer, deren materielle Zukunft auf dem Spiel steht, können zu wirtschaftlichen Opfern werden. Das wollen wir nicht übersehen!) Ich glaube, Menschen drücken damit ihre Sehnsucht aus, nicht in der Überspanntheit der Anforderungen aus der Vor-Corona-Zeit weiterleben zu müssen.

Aber, kann das funktionieren? Unsere Gesellschaft scheint auf ein ständiges Wirtschaftswachstum angewiesen zu sein. Was würde dann geschehen, wenn wir den einfacheren Lebensstil beibehalten? Zumindest die Schöpfung atmet auf.

Wenn sich vermutlich durch diese Krise nichts ändern wird – außer, dass der Ruf nach noch mehr Zentralismus lauter wird – können wir für unser persönliches Leben Weichen neu stellen:

  • Mehrmals am Tag innehalten und sich fünf Gegebenheiten bewusst machen, für die ich dankbar bin.
  • Die Frage beantworten: Auf welche selbstauferlegte Belastung kann ich in Zukunft verzichten?
  • Welche Rolle spielt Jesus Christus z.Z. in meinem Leben und welchen Platz soll ER in Zukunft haben? (Erzähle jemanden von deiner Entscheidung und bitte die Person darum, für dich zu beten.)

~ Pfarrer Bernd Schieritz

April 2020

Stallhasen mag ich. Man kann sie streicheln und wenn sie das Nest verlassen, sind sie besonders niedlich. Außerhalb der Küche haben sie wenig Einfluss auf unser Leben. Osterhasen und Weihnachtsmänner sind allein von wirtschaftlicher Bedeutung. Sie stammen aus heidnischer Tradition. Worum geht es dann zu Ostern?

Mit dem Osterfest feiern wir die Auferstehung Jesu. Der ans Kreuz geschlagene und begrabene Jesus lebt für immer. – Naja. Wer glaubt denn so was? Das ist doch unendlich weit von alltäglicher Erfahrung entfernt, dass wir dafür von niemand Verständnis erwarten dürfen!

Ich bin so dankbar, dass die Bibel zeigt, wie Männer in vorderster Reihe mit der Tatsache der Auferstehung völlig überfordert waren. Da finde ich mich als moderner und denkender Mensch verstanden.

Aber das ist noch nicht alles.

Denn es muss ja etwas geschehen sein, was die Freunde Jesu aus der Schockstarre befreit hat. Das waren die persönlichen Begegnungen zwischen Jesus und verschiedenen Menschen, von denen berichtet wird. Wenn die Bibel die Hilflosigkeit der gestandenen Männer so realistisch und glaubwürdig darstellt, dann kann ich in gleicher Weise auch die Verwandlung der Menschen als glaubwürdige Tatsache annehmen.

Für mich persönlich hat diese Verwandlungskraft des christlichen Glaubens große Bedeutung. Besonders an den Stellen des Lebens, wo das Erbmaterial nicht besonders zu sein scheint oder medizinische oder psychotherapeutische und andere Bemühungen allein nicht greifen. Angesichts immer stärker werdender Arbeitsbelastungen, größerer gesundheitlicher Herausforderungen und heftiger werdenden Glaubens- und Werte-Kämpfen reicht uns der Auferstandene seine Hand.

Im Originalton klingt es so:

„Jesus sagte zu ihnen: `Was seid ihr doch schwer von Begriff! Warum rafft ihr euch nicht endlich auf zu glauben, was die Propheten gesagt haben?
Musste der versprochene Retter nicht dies alles erleiden und auf diesem Weg zu seiner Herrschaft gelangen?`“ (Lukas 24,25-26)

~ Pfarrer Bernd Schieritz

März 2020

„Authentisch wird zur neuen Wahrheit“

Andreas Poppart schreibt für ältere Christen über die junge Generation: „Man kann also nach dem Wertverständnis einer älteren Generation falsche Dinge leben und tun, aber trotzdem für eine junge Generation richtig leben, weil es authentisch ist. Die „richtig-oder-falsch-Frage“ hat der „ist-es-echt-Frage“ Platz machen müssen. Authentisch wird zur neuen Wahrheit und Werte werden durch die Gruppe (im Artikel: das eigene „Rudel“) definiert, weil in einer Schamkultur die Zugehörigkeit und das Nichtabgelehntwerden einen viel höheren Stellenwert hat als in einer Schuldkultur, wo es darum geht, das Richtige zu tun.“ (ideaSpektrum, Nr. 5, S.17)

Andere Kulturen betonen gegenüber einem objektiven Recht viel stärker die Norm des eigenen Clans. „Unsere Ehre“ darf nicht infrage gestellt werden! In Mitteleuropa erleben wir leider viel zu oft, dass auch in unserer schuld- und gewissenorientierten Kultur das Recht wie ein Kuchenteig nach allen Seiten ausgewalzt wird. Befindlichkeiten bekommen hohe Bedeutung und einfach, weil ein Gesetz älter als 40 Jahre ist, muss ein neues her. Die grundsätzliche Orientierung am (objektiven) Recht oder an der Moral der Gruppe sind aber schon verschiedene Entwicklungen.

Bei Jüngeren ist öfter der Satz zu hören: “Für mich fühlt sich das gut an.“ Ältere stellen sich die Frage: „Wenn das nun alle so machen würden?!“

Junge Menschen bringen oft mehrere Werte-Vorstellungen zusammen.

Ein Show-Star der Gegenwart, Kanye West, ein exzentrisches Genie, 21 Grammis, bekannte, Christ zu sein. Er führte ein ausschweifendes Leben und veröffentlicht das Album „Jesus ist König“. Auf die Frage, ob er sein altes Leben bereue, antwortete er: “Nein. Ich bereue nichts und ich schäme mich nicht für das, was ich getan habe. Aber ich habe begriffen, dass ich nicht perfekt bin und Gott schon.“

Werte-Vorstellungen verschieben sich. Aber Gefühle der Unzulänglichkeit (z. B. die eigene Figur betreffend), Ängste und Stress nehmen zu.

In den 6 Wochen vor Ostern bedenken wir, dass Jesus stellvertretend für die Menschheit am Kreuz starb. Dieses Leiden und Sterben Jesu gilt für alle Varianten menschlicher Erlösungsbedürftigkeit. Ob nun frühere oder heutige Prägung – wir dürfen mit unserer Enttäuschung und Schuld zu Jesus kommen.

Paulus schreibt: „Wir bitten im Auftrag von Christus: `Bleibt nicht Gottes Feinde! Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet!`“ (2. Korinther 5,20)

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Februar 2020

„Geduld mit anderen ist Liebe. Geduld mit sich selbst ist Hoffnung. Geduld mit Gott ist Glaube.“

~ Adel Bestravos

Im vergangenen November traf sich eine Gruppe aus verschiedenen Gemeinschaften in unserer Landeskirche in Moritzburg und sie haben Gedanken über den Umgang miteinander ausgetauscht.

Das Ergebnis war ein Vorschlag, über 10 Jahre hin jedes Jahr eine „Übung“ miteinander zu praktizieren. Z.B.: „Wir suchen nicht nur das Gespräch mit Menschen, die uns bestätigen, sondern auch mit denen, die uns herausfordern und hinterfragen und befremden. Wir sind bereit, offen und beherzt auch auf Menschen zuzugehen, die uns bisher in ihrem Denken oder in ihrer Lebensart fremd geblieben sind. Deshalb knüpfen wir Kontakte und suchen Gespräche, um andere Menschen kennen und – wenn’s gut geht – verstehen zu lernen.
Jean-Claude Juncker sagt im Blick auf die so verschiedenen Europäer: `Wir müssen neugierig aufeinander sein!`“

Was kann uns dabei helfen? Der israel. Prof. für Geschichte Yuval Noah Havari sagt, das ist nur möglich, wenn wir eine „innere Standfestigkeit“ haben. Es braucht in der Zeit heftiger werdender Auseinandersetzungen und digitaler Herausforderungen Menschen, die auf Herzensebene gesund sind.
Denn nur, wer sich selbst sicher fühlt, kann sich für Neues und Andere öffnen.
So braucht es eine Stärke des Herzens, um tolerant zu sein, Gemeinschaft zu leben und in Herausforderungen bestehen zu können.

Der Gemeindegründer Paulus lebte aus dieser Gelassenheit als er schrieb (Römer 8,31.32):

Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Januar 2020

Das einzige Beständige ist der Wandel, lehrt die Erfahrung. Manche mögen es, wenn’s immer mal was Neues gibt. Andere warten eher ab. Seit dem 01.01.2020 heißt unsere nunmehr vereinigte Kirchgemeinde “Ev.-Luth. Kirchgemeinde Borstendorf-Schellenberg-Leubsdorf“. Im neuen Logo umkreisen die drei Orte auf ihren Bahnen das Kreuz. Wir sind jetzt Schwesterkirchgemeinde der „Vereinigten Ev.-Luth. Kirchgemeinde Eppendorf“ und der „Ev.-Luth. Kirchgemeinde Oederan“.

Bis zur Einführung des im September neu zu wählenden Kirchenvorstandes am 1. Advent 2020, werden die Kirchgemeinden noch vom bisherigen Kirchenvorstand geleitet.
Die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung, die kirchenmusikalischen und gemeindepädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Pfarrerinnen und Pfarrer bleiben wie bisher für die einzelnen Orte zuständig. Mit dem neuen Jahr beginnt eine engere Zusammenarbeit der drei Kirchgemeinden. Ein Verbundausschuss wird die Angebote der einzelnen Kirchgemeinden in diesem größeren Zusammenhang aufeinander abstimmen. Für die kirchenamtliche Verwaltung und die Begleitung der Mitarbeiter wird mehr und mehr Pfarrer Roßner aus Oederan verantwortlich sein.
Dafür werden wir auch Dienste in den einzelnen Gemeindekreisen und in den Gottesdiensten in anderen Gemeinden übernehmen.
Über allem, was bleibt oder sich wandelt, wird im neuen Jahr die Losung stehen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben.“ Es gibt einen Glauben, den „hat man nicht“.
Er kommt von höherer Stelle. Er hat eine andere Qualität, als ich ihn aus mir selbst hervorbringen könnte. Ich sehe darin eine Chance für jede und jeden, die sich mit Jesus in diesem Jahr neu auf den Weg machen möchten. Wer bittet, dem wird gegeben. Nämlich von dem, der gesagt hat: („Der HERR ist mein Hirte,) mir wird nichts mangeln.“

Dezember 2019

Einfach leben
Bald werden wir die Wünsche wieder überall hören: „Frohes Fest!“, „Fröhliche Weihnachten!“. Die meisten haben genaue Vorstellungen davon, wie das geht.
Wir haben Gott sei Dank zur Zeit die Möglichkeiten, unsere Wünsche auf hohem Niveau zu erfüllen.
In diesem Jahr konnte ich bei Weihnachten an „einfach leben“ denken. Bisher hätte das für mich eher wie Selbstbestrafung geklungen. (Unsere Kinder sind schon aus dem Haus.)

Wie war es zu Beginn? Der Weg von Maria und Joseph führte von Nazareth im Norden Israels in den Süden. Hindurch durch Jerusalem, vorbei am Regierungspalast bis in die Pampa nach Bethlehem. Dort kam das Baby ohne Kerzenschein in einfachster Umgebung zur Welt. Als die Hirten kamen und einige Zeit später die Weisen aus dem Osten, konnten sie sich leicht und ganz auf den Retter konzentrieren. Denn sie wurden nicht üppig bewirtet und konnten auch keine hochdekorierte Wohnung bewundern. Jesus, der Retter, war einfach da. Nichts anderes war wichtig, als auf die Knie zu gehen und anzubeten.
Die Weisen brachten Geschenke mit. Für Maria und Joseph sicher eine notwendige Unterstützung. Aber vor allem waren sie prophetische Hinweise auf das Lebenswerk Jesu.

  • Gold – der König, der ohne weltliche Macht regiert.
  • Weihrauch – er betet, wird angebetet und erhört Gebet.
  • Myrrhe – er wird leiden und sterben, um die Welt zu erlösen. Damit wir einfach leben können.

Was braucht es also, um diesem Jesus begegnen zu können?
Vielleicht muss man erst so alt werden wie … um solche Gedanken zulassen zu können. Die meisten Menschen auf dieser Erde haben ohnehin nicht den Zugang zu den Annehmlichkeiten, die wir genießen können.

Wie können wir in dieser Adventszeit den Zugang finden zu diesem auch für uns geborenen Messias Jesus?

Oktober 2019

Irgendwo im Ausland wurde bei Touristen ins Auto eingebrochen und die wertvolle Fotoausrüstung, Geld und Ausweise gestohlen. Sie gingen sofort zur Polizei. Die Verständigung war gut möglich. Aufgebracht beschwerten sie sich bei den relativ ruhig wirkenden Beamten: „Wir kommen aus Deutschland. Wir haben ein Problem!“ Daraufhin entspannten sich die Polizisten und gratulierten ihnen freudig: „Das ist ja wunderbar, dass sie nur ein Problem haben! Wir haben hier Hunderte!“

Sicher sehen wir in Deutschland ebenso großen Bedarf, Ungerechtigkeiten, Not und drohender Gefahr zu begegnen! Die Wahlergebnisse zeigen, dass wir uns in einer kritischen Situation befinden! Viele leben mit einem Gefühl der Überforderung oder des Zornes. Es ist ein großer Kampf im Gang: Ich muss sehen, dass ich von der Torte großer Möglichkeiten ein gutes Stück ergattern kann! Und dann bleibt immer noch die Frage, ob es nicht noch besser oder mehr hätte sein können?!

Am 3. Oktober feiern wir 30 Jahre „Friedliche Revolution“ und am 9. November den Mauerfall. Es ist von enormer Wichtigkeit, sich an die Geschehnisse 1989 und davor zu erinnern. Besonders die über 35-Jährigen werden nachempfinden können, wie wichtig es ist, das Vergangene nicht zu vergessen. Das kostet Kraft – aber, es lohnt sich! Menschen haben damals ihr Leben riskiert. Denn früher durften wir nur wollen, was wir sollen. Das hat Hunderttausende auf die Straße gebracht!

Heute dürfen wir wieder denken. Wir dürfen reden. Wo wir schweigen, überlassen wir das Feld womöglich Strukturen der Zerstörung. Schimpfen und Jammern bringen nicht voran. Lasst uns in Gesprächen gut aufeinander hören und so reden, als ob wir öffentlich auftreten würden und Verantwortung für das Wohl des ganzen Ortes oder gar des ganzen Landes hätten! Unser Denken, Reden und Handeln begünstigt entweder Misstrauen und Hass oder Freundschaft und Segen. Jeder persönlich hat einen großen Einfluss!

 

~ Pfarrer Bernd Schieritz