April 2021

Diese Zeit stellt uns auch eine weitere besondere Frage: Wer oder was ist die höchste Macht (Wer oder was ist Gott?), wir selbst, der Mensch, Corona oder ist und bleibt Gott der Chef im Ring?

Jede (Lebens-) Krise erschüttert das Sicherheits-Gefühl eines Menschen.
Das bisherige System, das sich jeder aufgebaut hat, um seine Lebensumstände einigermaßen im Griff zu haben, funktioniert nicht mehr zuverlässig. Staatliche Vorgaben, Krankheiten, gerade geringere persönliche Belastbarkeit, verschiedene Konflikte oder schwere „Schicksalsschläge“ rütteln an dem Haus, in dem ich sitze.

Deshalb wählen Menschen eigene Strategien, um (wieder) ein beherrschbares und kontrollierbares System um sich herum zu bauen: zum Beispiel durch Vermeidung aller Risiken, genaueste Einhaltung aller Vorschriften oder auch Leugnung der Gefahren oder so tun, als ob es wie immer wäre oder auch, indem man Drahtzieher und Schuldige ausmacht, denen man die Verantwortung für das Ganze gibt und anderes.

Ich persönlich glaube, dass Gott durch dieses Geschehen menschliche Selbstüberhebung erschüttert. Zu DDR-Zeiten gab es schon mal diesen Spruch: “Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein.“ Mir kommt es so vor, als ob unser Wirtschafts-, Finanz-, Gesundheits-, Schul-, Sozial- und auch Kirchen-System infrage gestellt wird. Aber Systeme kann man nicht infrage stellen. Menschen bauen sie auf und halten sie am Laufen und sind selbst ihr wichtigster Bestandteil. Deshalb werden Menschen, werden wir als einzelne Personen angefragt.

Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Denn ich frage mich bei jeder Erkältung, bei jedem Zuspätkommen, bei jedem Konflikt, ob ich da in meinem Verhalten etwas ändern kann und sollte. So auch in dieser Zeit.
Immer wieder leuchtet mir ein biblisches Wort auf:

Der himmlische Vater sagt von sich selbst: (Psalm 46,11)
Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin!
Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden.
(Mit „Heiden“ sind alle Völker gemeint außer Israel, zu dem Gott zuerst gesprochen hat.)

Der Gott Israels will von den Menschen aller Völker als höchste Autorität respektiert und angenommen werden. Damit wir Menschen eine klarere Vorstellung haben, wer und wie Gott ist, kam er als Mensch auf diese Erde. Wir können sogar heute lesen, was er damals gesagt hat. Und am deutlichsten wird sein Wesen in seinem Sterben am Kreuz hörbar und sichtbar.

Diesen Weg der Ablehnung, der Schmerzen und des grausamen Todes ist er aus Null Komma Null eigenem Interesse gegangen. Er hatte zu 100 % deine und meine Herauslösung aus der Gottesferne im Blick. Ich denke dabei an einen Vater in einem Erdbebengebiet. Er hatte seinem Sohn versprochen, wenn mal was passieren würde, werde ich dich retten! Als bei einem schweren Erdbeben die Schule seines Sohnes eingestürzt und er unter den Trümmern begraben war und die Rettungsmannschaften bereits ihre Arbeit eingestellt hatten, machte sich der Vater mit bloßen Händen ans Werk. Über 36 Stunden lang ließ er sich Tag und Nacht auch durch die gut gemeinten Ratschläge anderer, dass es doch längst zu spät sei, nicht abbringen. Ohne sich Pausen und Schlaf zu gönnen räumte er unermüdlich den Schutt weg, bis er zu einem Hohlraum vordrang, in dem sein Sohn mit wenigen Mitschülern überlebt hatte.

So etwa, nur noch viel stärker und bei vielmehr Widerstand hat Jesus dieses Opfer seines Lebens am Kreuz gebracht. Wirklich für dich! Er wollte damit ein für alle Mal bezahlen, was wir Gott an Dank für alles Gute schuldig geblieben sind und wo wir uns und anderen durch schuldhaftes Verhalten geschadet haben.

Dieses Leiden und Sterben von Jesus am Kreuz ist wie ein Gutschein, den du in den Händen halten darfst. Für alles Mögliche kannst du ihn einlösen. Auch in letzter Verzweiflung: „Gott, wenn das mit Jesus so war und wahr ist, dann zeige dich in meinem Leben!“
Und auch wenn du schon als Christ lebst, kannst du mit neuer Entschlossenheit beten, dass Gott durch die Dunkelheit deiner Seele bricht, er dich wieder aufrichtet und er es klar und behutsam zeigt, wenn du selbst IHM im Wege stehst. Dieser Gutschein ist nicht übertragbar. Das ist auch nicht nötig. Denn für jede Person ist einer vorhanden.

Vielleicht ist Jesus deshalb auf einem Berg an einem hoch aufgerichteten Kreuz gestorben, damit ER „der Höchste auf Erden“ ist und in deinem und meinem Leben wird?

März 2021

Corona wühlt den Grund auf! Fundamental Wichtiges kommt neu in den Blick.

In dieser Zeit der Distanz bekommt Gemeinschaft eine ganz neue Bedeutung. Menschen sind zu ihr berufen. “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ (1. Mose 2,18)

„Wir leben nur dann wirklich gut, wenn wir Teil einer Gemeinschaft sind. Zugleich ist Gemeinschaft ein wesentlicher Verstärker – sie schleift, nervt, inspiriert, verändert, fordert heraus. Eben deswegen gehört sie zu den Grundbedingungen von Glauben und Leben, die Gott uns verordnet.“ (Tobias Rink)

Unsere Beziehungen sind vielfältig. Die Beziehung zu uns selbst, Ehe, Eltern und Kinder, der Hausstand. Aber auch darüber hinaus die ganze Bandbreite mit der Gemeinschaft in der Schule, am Arbeitsplatz, im Dorf, in der Kirchgemeinde, in der Verwandtschaft, im Land, zum Volk Israel und als Völkergemeinschaft…

Je nach Lage, kann sich zur Zeit für die einen das Gefühl des Alleinseins verstärken. Für manche Kinder, Lehrer und Eltern wurden die vergangenen Wochen zur Katastrophe. Mit dem Partner und in der Familie haben wir wenigstens noch ein Mindestmaß an Gemeinschaft. In der Familie begegnet man sich leibhaftig, kann miteinander reden, essen und irgendwas anstellen. Es ist auch nicht zu verachten, dass Geschwister bzw. Eltern und Kinder miteinander lernen können, Konflikte auszutragen, sich zu streiten und zu einigen.

Ja – wenn nichts mehr geht – können wir den Wert unseres Zuhauses und unserer Basis-Beziehungen erkennen. Aber eben auch die Schwachstellen. Die 24/7-Belastung der Beziehungen kann zum Härtetest werden. Weil wir in der Illusion leben, es gäbe „normale“ Menschen, so, wie wir sie uns eben vorstellen. Das geht so lange, bis wir die Erfahrung machen, mit der John Ortberg ein Buch benennt: „Jeder ist normal, bis du ihn kennen lernst“.

Menschen gehen Beziehungen mit ihren eigenen Träumen und Idealvorstellungen ein. Viele Frauen wagen eine Ehe mit dem „wahnwitzigen“ Vorsatz: “Den biege ich mir schon noch zurecht!“

Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinem Buch „Gemeinsames Leben“: „Es ist aber Gottes Gnade, die alle derartigen Träume (rasch) zum Scheitern bringt. Die große Enttäuschung über die anderen, über die Christen im Allgemeinen und, wenn es gut geht, auch über uns selbst, muss uns überwältigen, so gewiss Gott uns zur Erkenntnis echter christlicher Gemeinschaft führen will. Je bälder die Stunde dieser Enttäuschung über den Einzelnen und über die Gemeinschaft kommt, desto besser für beide. …“

Diese jetzige Zeit kann daher auch Möglichkeiten eröffnen, in die Ehe zu investieren. Vielleicht gibt es ja schon lange anstehende Themen, über die wir unbedingt einmal sprechen müssten und jetzt die Zeit dazu hätten. Vielleicht! Denn vielleicht sind Homeoffice und Homeschooling noch aufreibender als der so genannte normale Arbeits- und Schulalltag. So heißt es in einer Einladung zu einem Seminar für Familien:

“Kinder brauchen Eltern, die in der Familie die Führung übernehmen und auf eine respektvolle Art und Weise altersangemessene Grenzen und Regeln aufzeigen. … Wir möchten Sie ermutigen, diese Verantwortung wahrzunehmen …, damit sich ihre Kinder zu konfliktfähigen und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten entwickeln können.

… Da viele Eltern die Medienerziehung als sehr herausfordernd empfinden, möchten wir Ihnen bei diesem hochaktuellen Thema Hilfestellung geben, wie sie ihre Kinder so begleiten können, dass Medien das Leben bereichern und nicht bestimmen.“

Gelingt Ihnen/Euch das? Wir wissen es: Eine gute Ehe und Familie ist damit nie fertig, sondern immer am Lernen und Fragen und Investieren. Die Ehe ist wie eine eigene Person – wie ein Kind, dass um die Aufmerksamkeit seiner Eltern kämpft. Das ist das Stressige an Ehe und Familie: Alle wollen etwas. Und ich selbst auch! Daher brauchen wir für uns selbst, den Partner und die Kinder – und unseren Verantwortungsbereich eine Kraft-Quelle, aus der wir schöpfen können.

 

Wem es möglich ist, kann folgendermaßen beten:

Jesus, heile diese Gefühle, die nicht von Dir hervorgebracht wurden. Gefühle, die sagen, dass ich wertlos sei, eine Zumutung, dass ich nicht gewollt sei oder dass ich zu einer ungünstigen Zeit empfangen und geboren wurde. Heile und reinige mich von den Gefühlen, dass ich eine Last sei, dass ich ein Objekt wäre, das man nach Belieben benutzen könne, ein Gegenstand in der Welt, anstelle eines kostbaren kleinen Kindes, das geliebt wird, wertgeschätzt wird, beschützt, geehrt und ernährt. Bitte reinige mich in dem Grundgefühl, dass ich eine Enttäuschung wäre, dass ich es nie schaffen würde oder nicht genug wäre. Heile und reinige mich von allem Vergleichen mit anderen, von Konkurrenzkampf, von Beurteilung, Verurteilung und von Vertreibung und Ablehnung. Durch deine Wunden am Kreuz bin ich geheilt von „Ablagerungen“ von Vorwürfen, Scham, Verwirrung und von Selbsthass.

Ich entscheide mich, die Lügen, denen ich geglaubt habe, durch die biblische Wahrheit zu ersetzen. …

Du, HERR, wirst wieder aufbauen, was tief unglücklich und niedergedrückt war, Du wirst die Jahre erstatten, die „von den Heuschrecken gefressen wurden“. Du wirst das vollenden, was Du begonnen hast.

 

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Februar 2021

Inmitten der turbulenten und gefährlichen Situation denken viele darüber nach, was „uns Corona sagen könnte“. Wie wäre es, wenn wir deshalb das Folgende wie einen Beitrag während einer Talkshow verstehen: jeder kann sich gern am Gespräch beteiligen und reagieren.

Selbstverständlich stehen momentan das medizinische Geschehen und der Umgang im öffentlichen Leben im Focus. Hilfe hat Vorrang! Aber hat es nicht auch etwas mit Barmherzigkeit zu tun, umfassend über Zusammenhänge und Ursachen nachzudenken? Ich denke dabei nicht an solche Theorien, dass die gesamte Krise bewusst herbeigeführt worden sei. Vielmehr bewegt mich unter vielem anderen die Frage, ob es nicht sein könnte, dass wir tatsächlich an die Grenzen wirtschaftlichen Wachstums im Sinne von immer mehr, immer schneller, immer bequemer, usw. angekommen sind?

Seit dem vergangenen Jahr erleben alle Menschen fast hautnah, was schon länger bekannt war, nämlich, dass Wachstum begrenzt ist („Die Grenzen des Wachstums – Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit“ ist eine 1972 veröffentlichte Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft). Allen ist klar: So, wie bisher, kann es nicht weitergehen! Und trotzdem reden wir davon, dass alles hoffentlich bald wieder „normal“ wird, so, wie es war.

Im Bereich der Wirtschaft dürfte jedes Reden von 0-Wachstum oder gar von negativem Wachstum als weltfremd gelten. Im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf kann es nicht akzeptiert werden, dass Wachstum begrenzt ist.

Einerseits ist natürlich für das wissenschaftlich-wirtschaftliche Wachstum noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Und zum anderen kommt die ständige Entwicklung hin zu mehr Konsum, zu mehr Leistung für den gleichen Preis, zu Angeboten, die das Leben bequemer machen, unserem Lebensgefühl entgegen. Zumindest lässt es sich sehr leicht dahingehend lenken. Denn wenn wir uns nicht mehr Komfort leisten können, wofür lernen und arbeiten wir dann so hart? Haben wir auf diese Weise eine gute Zukunft?

Mir kam der Vergleich mit der Natur. Ist es vorstellbar, dass ein Baum ständig wächst? Entspricht es den Gesetzmäßigkeiten des Lebens, dass ein Mensch ständig leistungsfähiger und produktiver wird? Nur eine Person, die ihr Älter-Werden angenommen hat, kann reifer werden. Wenn wir an ein „Weiter-wie-bisher“ denken, an ewige Jugend, an Hauptsache viel Geld verdienen usw. – sind große Krisen für das (Gesellschafts-)System unvermeidlich, weil o.g. Zielsetzungen an dem Ast sägen, auf dem alle sitzen.

Jedoch: die Möglichkeiten des Wirtschaftens unserer Gesellschaft und der gesamten Völkerwelt sind nur zum Teil vom Menschen und organischer Natur her bestimmt, sondern auch von Gesetzmäßigkeiten, die ignoriert oder zum Nachteil für andere ausgenutzt werden können. Dennoch ist die Frage interessant, ob es vielleicht ein Wachstum in einer ganz anderen Art und Weise gibt, ja geben sollte?

Finden wir einen Weg, gut zu leben, ohne immer mehr herstellen zu müssen, Ressourcen zu verschwenden, die Umwelt irreparabel zu schädigen, Beziehungen zu stark zu belasten, um den nachfolgenden Generationen eine Welt zu präsentieren, die sie nicht übernehmen wollen? Es müssten Fragen als Maßstab des Wirtschaftens festgelegt werden, wie: Ist das nachhaltig? Ist das sozial gerecht? Ist das gesund? Wie wird das hergestellt?

Ich selbst will mir diese Fragen im Blick auf mein Konsumverhalten stellen: Brauche ich das wirklich? Wem gebe ich mit diesem Kauf mein Geld und damit auch Unterstützung und Macht? Könnte ich nicht auch das Geschäft oder den Landwirt im eigenen Ort unterstützen? Sicher, das ist gegen den Trend und die Gewohnheit, denn dann könnte ich nicht so viel und auch nicht so sehr auf Vorrat kaufen. Für eine junge Familie ist das eine gewaltige Hürde! Aber ich könnte gesünder und umweltschonender leben, was uns eine Generation später zugute käme, (wenn es eine kritische Masse an Personen genauso macht).

Das nur als ein Beispiel.

Was hat das mit dem Christsein zu tun?
Christen glauben, dass Gott jeden Menschen gewollt hat.
Christen glauben, dass uns Gott diese Welt anvertraut hat, um sie zu gestalten und zu bewahren.
Christen glauben auch, dass Gott will, dass wir gut miteinander umgehen.
Für all das haben wir Verantwortung und ER wird uns einmal danach fragen.

Nun will ich nicht darauf hinaus, dass Christen bessere Menschen wären. Nein!
Alle Menschen sind Menschen und in gleicher Weise fehlbar und deshalb brauchen es auch alle, dass Jesus für sie am Kreuz starb. Dieser Tod bedeutet, dass wir aus dem ewigen Getrenntsein von Gott herausfinden können. Dieser Tod bedeutet den Sieg über die Kräfte des Egoismus, des Neides, der (Selbst-)Ablehnung, der Selbstzerstörung, der Sucht, der Gleichgültigkeit, des Bösen ….
Bei Jesus gibt es eine Liebe, die stärker ist als der Tod.

Paulus schreibt:

»’Weil wir zu dir, Herr, gehören, sind wir ständig in Todesgefahr. Wir werden angesehen wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.‘
Aber mitten in alldem triumphieren wir als Sieger mit Hilfe dessen, der uns so sehr geliebt hat.« (Römer 8,36-37)

Zugegeben, den lebendigen Beweis bleiben Christen weiterhin schuldig.
Aber diese Realität bietet die Voraussetzungen, anders und neu zu leben.

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Januar 2021

Im Herbst 2020 sah ich im Fernsehen eine Reporterin in einer Fußgängerzone, die Passanten interviewte und tatsächlich die Frage stellte: „Würden Sie jemanden melden, der sich nicht an die Regeln hält, z.B. keine Maske trägt?!“
Darüber bin ich tief erschrocken! Sollte man nicht viel mehr Menschen befähigen, miteinander zu reden oder meinetwegen zur Rede stellen, als ein Klima des Verrates und der Überwachung und Denunziation hervorzurufen?

Das Wort der Jahreslosung weist uns einen Weg des Miteinander(Sprechen)s und nicht des Gegeneinander(Vorgehen)s!

„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36)

Im Sommerurlaub, wenn man wildfremden Menschen bei einem Ausflug begegnet und locker ins Gespräch kommt, ist es kein Problem, rücksichtsvoll zu sein. Aber in Stresssituationen und an den Grenzen der Belastbarkeit, kommen oft Ängste zum Vorschein, die unser Miteinander belasten.

Jesus spricht nicht davon, dass sich Christen gefälligst zusammenreißen sollen! Sie sollen vielmehr in der Weise barmherzig sein, wie der himmlische Vater barmherzig ist. Barm-herz-igkeit hat also erstens etwas mit dem Herzen zu tun. Und zweitens auch mit der Beziehung zum himmlischen Vater.

ER hat doch sogar seinen Sohn hergegeben für uns alle – gleichgültig, ob wir mit IHM etwas anfangen können oder nicht. Das muss man sich zu Herzen gehen lassen. Dadurch können wir barmherzig werden.

Insofern ein gutes und gesegnetes neues Jahr!

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Dezember 2020

Die Volkszählung damals unter Kaiser Augustus war Pflicht! Die Eintragung in Steuerlisten ermöglichte dem Staat eine ziemlich genaue Überwachung. Hinzu kam, dass Maria vom Engel Gabriel die klare Ansage bekommen hatte, dass er der Sohn Gottes sein würde, den sie zur Welt bringt. Und dann noch diese Maßnahmen der Regierung, die so drastisch in das Privatleben der Menschen eingriffen und Firmenexistenzen gefährdeten.

Maria hatte sich dahingehend Hoffnung gemacht, dass der kleine Jesus ja vielleicht 8 Tage später kommt. Da sind sie wieder zurück in Nazareth. Aber Nein! Kaum waren sie in Bethlehem, setzten die Wehen ein! Muss das denn alles sein?

Offenbar benutzte Gott diese Ereignisse! Auf diese Weise erfüllt Gott sein hunderte Jahre zuvor gegebenes Wort absolut präzise. Der Messias soll, als Sohn Davids, in dessen Heimatstadt geboren werden.

Auf den himmlischen Vater kann man sich absolut verlassen!

~ Pfarrer Bernd Schieritz

November 2020

Es gibt eine berühmte Frage, die im Monat November gestattet sein mag: „Was würdest du tun, wenn du noch 4 Wochen zu leben hättest?“

Vor Jahren hat sich ein 47-Jähriger ein Sterbedatum im Kalender eingetragen. Daraufhin änderte er sein Leben grundlegend. Er hat sich sogar für einschneidende berufliche Veränderungen entschieden.

Auf dem Leubsdorfer Friedhof drängt uns die Inschrift eines Grabsteines zu dieser lohnenden Aufgabe: „Wir dachten, wir hätten noch etwas Zeit!“ Mit diesen Gedanken möchte ich einladen, das Leben vom Ziel her zu bedenken:

Wo will ich einmal hin? Was soll von mir einmal gesagt werden? Wie reagiere ich darauf, dass Jesus für mich am Kreuz starb?

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Oktober 2020

Knapp 600 Jahre, bevor Jesus geboren wurde, ist ein Großteil der Bevölkerung Israels dorthin verschleppt worden, von wo kurz nach der Geburt Jesu die Unternehmensberater (die Weisen) aus dem Osten kamen. Im babylonischen Feindesland waren sie entwurzelt, mittellos, fern von ihrem Gott und dem Land, in dem sie 700 Jahre lang zuvor gelebt hatten. Wahrscheinlich war es wie in Sibirien.

Ein prophetisches Wort riss sie aus der Antriebslosigkeit:

„Baut euch Häuser und richtet euch darin ein! Legt euch Gärten an, denn ihr werdet noch lange genug dort bleiben, um zu essen, was darin wächst!
Heiratet und zeugt Kinder! Verheiratet eure Söhne und Töchter, damit auch sie Kinder bekommen! Eure Zahl soll zunehmen und nicht abnehmen.
Seid um das Wohl der Städte besorgt, in die ich euch verbannt habe, und betet für sie! Denn wenn es ihnen gut geht, dann geht es auch euch gut.“

Interessant: Das gegnerische System soll nicht geschwächt, sondern gestärkt werden. Denn es geht schon damals zuerst um das physische Überleben Israels. Unser Gebet wird hier zu einer wirtschaftlichen und politischen Macht. Das haben wir im Osten Deutschlands schon ein-/manch-/mal erlebt. Dass der Wohlstand so eng mit dem Gebet verbunden ist, dürfen wir in Deutschland neu entdecken.

Wie realistisch in der Bibel die politische Arbeit gesehen wird! Damit etwas zum Positiven bewegt werden kann, brauchen Regierende übernatürliche Hilfe. So hilflos und bedeutungslos, fast lächerlich, sich Betende manchmal vorkommen mögen – ihr wahrer Einfluss ist gewaltig!

Ein wichtiges Wort der Bibel. Für den Monat Oktober, in dem wir in diesem Jahr zum 30. Mal Gott für den Prozess der Vereinigung Deutschlands danken, ist es sehr treffend ausgewählt.

~ Pfarrer Bernd Schieritz

September 2020

Es ist Sonntag, 28. Juni 2020. Ich suche nach Gedanken für diesen Artikel in der September-Ausgabe.

Wie wird sich die Situation bis dahin entwickeln? Was wird dann wichtig sein? – Schon mehrfach hörte ich die Frage: „Was ist für uns aus dem Umgang mit der Krise wert, bewahrt zu werden?“

Deshalb ein Abschnitt aus der Predigt von Rainero Cantalamessa (Prediger im Vatikan):
„Die Pandemie des Coronavirus hat uns abrupt von der größten Gefahr aufgeweckt, der Menschen seit jeher ausgesetzt sind: der Täuschung über die Allmacht. Es bedurfte lediglich dieses kleinen Elements der Natur, eines Virus, um uns daran zu erinnern, dass wir sterblich sind, dass militärische Macht und Technologie nicht ausreichen, um uns zu retten.“

Dazu eine historische Begebenheit: Während er in der St. Pauls Kathedrale in London Fresken malte, war der Künstler James Theophil an einem bestimmten Punkt so begeistert von seinem Fresko, dass er zurücktrat, um es besser sehen zu können – und nicht wusste, dass er über den Rand des Gerüstes fallen würde. Sein Assistent unten sah die Gefahr kommen, erkannte blitzschnell, dass hochzurufen die Katastrophe nur beschleunigt hätte. Ohne lange zu überlegen, tauchte er einen Pinsel in Farbe und schleuderte ihn in die Mitte des Gemäldes. Der Meister sprang einsetzt vor. Seine Arbeit wurde beschädigt, aber er war gerettet.

Gott tut dies manchmal mit uns: Er stört unsere Projekte, um uns vor dem Abgrund zu retten, den wir nicht sehen. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht getäuscht werden. Gott ist nicht derjenige, der den Pinsel auf das funkelnde Fresko unserer technologischen Gesellschaft schleuderte. Gott ist unser Verbündeter, nicht der Verbündete des Virus!

Gott sagt: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe; Gedanken des Heils und nicht des Unheils, euch eine Hoffnung und Zukunft zu geben.“(Jeremia 29,11)

Wenn diese Geiseln Strafen Gottes wären, würde unverständlich bleiben, warum sie nicht nur boshafte, sondern auch gute Menschen treffen und warum die Armen normalerweise die schlimmsten Konsequenzen zu tragen haben. Sie sind nicht schlimmere Sünder als die anderen.“

Was gilt es zu bewahren? Z.B.: Selbst-Bewunderung zu hinterfragen!
Einfacher leben! Fragen: Was sagt Gott dazu?

~ Pfarrer Bernd Schieritz

August 2020

An einem kalten Januarmorgen 2007 betritt ein junger Mann in Alltagsbekleidung und Baseballkappe eine U-Bahn-Station in Washington. Viele Menschen sind unterwegs zur Arbeit. Der junge Mann holt seine Geige hervor, legt den Geigenkasten vor sich hin und beginnt zu spielen. Es dauert ein paar Minuten, bis der erste Passant den Geiger bemerkt. Er verlangsamt seinen Schritt für ein paar Sekunden, aber er unterbricht seinen Weg nicht. Kurz darauf wirft eine Frau den ersten Dollar in den Geigenkasten, aber sie bleibt nicht stehen. Ein junger Mann hält inne um zuzuhören und lehnt sich an die Wand. Aber nach einem kurzen Blick auf seine Uhr geht er abrupt weiter.

Der Geiger spielt und spielt, fast eine Dreiviertelstunde Stücke von Bach, Schubert und anderen Komponisten klassischer Musik. Zum Schluss bleibt eine Frau mit einem Plastikbeutel stehen, erst ungläubig, dann bewundernd. Sie hat den Mann erkannt. Es ist Joshua Bell. einer der besten Musiker unserer Zeit.

Mehr als 1000 Menschen sind an ihm vorbei gekommen. Weniger als zehn Menschen sind stehen geblieben, um ihn für kurze Zeit zuzuhören. Etwa 25 Passanten warfen insgesamt 32 Dollar in den Geigenkasten. Er spielte unter anderem eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke von Johann Sebastian Bach („Chaconne in d-Moll“). Die Geige, auf der er spielte, war 3,6 Millionen Dollar wert. Ein paar Abende zuvor hatte Joshua Bell vor ausverkauftem Haus in Boston das gleiche Konzert. Die Karten kosteten durchschnittlich 100 Dollar.

Die Zeitung „Washington Post“ hatte dieses Experiment in Auftrag gegeben. Sie wollte herausfinden, ob Menschen Schönheit auch in einem ganz alltäglichen Umfeld und zu unpassender Zeit wahrnehmen. Auch, ob sie sich in einem festgelegten Tagesablauf von besonderen Augenblicken berühren lassen können.

(Aus: Karin Seethaler, „Die Kraft der Kontemplation“, S. 62 f)

 

lch habe mich gefragt, ob Gott nicht in unserem Alltag wichtige und schöne Momente arrangiert. Wir dürfen uns bewusst machen, dass Gott auch in Zeiten von Anspannung, Verpflichtungen und intensiver Arbeit seinen Schatz im Acker verborgen hat. Und er ermutigt uns zu besonderer Aufmerksamkeit im Urlaub, wenn uns Betriebsamkeit und Zeitdruck nicht in Atem halten.

Wenn Gott mit uns reden oder auf etwas aufmerksam machen möchte, dann brauchen wir nicht aus Anstand inne zu halten, sondern weil wir sonst Leben verpassen, weil wir sonst IHN selbst verpassen.

~ Pfarrer Bernd Schieritz

Juli 2020

Ihr Lieben,

aus heizungstechnischen Gründen mussten wir vor fünfzehn Jahren über die Hälfe unseres Grundstückes ausbaggern lassen, um Leitungen zu verlegen. Es entstanden beängstigend hohe Berge an Erdaushub und ich bezweifelte, ob ich wirklich die richtige Heizungsvariante gewählt hatte. Leider ließ es sich aus Platzgründen nicht vermeiden, das von meiner Frau gepflegte Erdbeerbeet als Zwischenlager für Tonnen von Dreck zu benutzen.

Wir legten also schwere Gummimatten darüber und der Bagger tat seine Arbeit. Nach ein paar Wochen entlasteten wir das Beet und entfernten die Matten. Es gab schon glücklichere Momente in unserem Eheleben als dieser erbärmliche Anblick, der sich uns da bot! Lohnte es sich wirklich noch, die nur noch zu erahnenden Pflanzen ins Leben zurückzuholen?

Meine Frau kämpfte um jede Pflanze, hackte, düngte und goss liebevoll. Das Resultat war überwältigend. Selten habe ich solche herrlichen Erdbeeren gesehen. Eine Ernte wie im Bilderbuch!

Was war geschehen? Die Pflanzen mussten unter dem gewaltigen Druck, um zu überleben, ihre Wurzeln mit Wasser und Nährstoffen anreichern und wuchsen deshalb erst einmal in die Tiefe. Als die Last weggenommen war, konnten sie mit Hilfe meiner Frau und der Wärme des Sonnenlichts umso kraftvoller wachsen und wunderbare Früchte tragen.

Die gegenwärtige Situation ist auch für die meisten von uns eine richtige Last, die wir aushalten müssen. Wenn wir durchhalten und nicht aufgeben, werden auch unsere Glaubens-Wurzeln wachsen und gestärkt. Wenn wir uns mit dem lebendigen Wasser und den Nährstoffen aus der Bibel ernähren, werden wir umso kraftvoller aus dieser belastenden Zeit hervorgehen. Einmal wird die Entlastung kommen und ich bin überzeugt, dass wir mit Hilfe Seines Lichts bessere Früchte hervorbringen werden, als wir ahnen können.

~ Jürgen Meyer, Andacht vom 25.04.2020