Januar 2021

Im Herbst 2020 sah ich im Fernsehen eine Reporterin in einer Fußgängerzone, die Passanten interviewte und tatsächlich die Frage stellte: „Würden Sie jemanden melden, der sich nicht an die Regeln hält, z.B. keine Maske trägt?!“
Darüber bin ich tief erschrocken! Sollte man nicht viel mehr Menschen befähigen, miteinander zu reden oder meinetwegen zur Rede stellen, als ein Klima des Verrates und der Überwachung und Denunziation hervorzurufen?

Das Wort der Jahreslosung weist uns einen Weg des Miteinander(Sprechen)s und nicht des Gegeneinander(Vorgehen)s!

“Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!” (Lukas 6, 36)

Im Sommerurlaub, wenn man wildfremden Menschen bei einem Ausflug begegnet und locker ins Gespräch kommt, ist es kein Problem, rücksichtsvoll zu sein. Aber in Stresssituationen und an den Grenzen der Belastbarkeit, kommen oft Ängste zum Vorschein, die unser Miteinander belasten.

Jesus spricht nicht davon, dass sich Christen gefälligst zusammenreißen sollen! Sie sollen vielmehr in der Weise barmherzig sein, wie der himmlische Vater barmherzig ist. Barm-herz-igkeit hat also erstens etwas mit dem Herzen zu tun. Und zweitens auch mit der Beziehung zum himmlischen Vater.

ER hat doch sogar seinen Sohn hergegeben für uns alle – gleichgültig, ob wir mit IHM etwas anfangen können oder nicht. Das muss man sich zu Herzen gehen lassen. Dadurch können wir barmherzig werden.

Insofern ein gutes und gesegnetes neues Jahr!

~ Pfarrer Bernd Schieritz