Mai 2020

Liebe Leserinnen und Leser dieses Grußes,

es braucht in diesen besonderen Zeiten schon fast eine prophetische Gabe, um drei Wochen zuvor etwas zu schreiben, was auch dann noch Gültigkeit haben könnte, wenn Sie den Lokalanzeiger lesen werden.

Ich beginne einfach mal mit dem gegenwärtigen Erleben.

Wir werden durch die Medien sehr gut über die Dynamik der Corona-Pandemie informiert. Das hilft etwas gegen Angst und Ohnmacht.

Wir haben und nehmen Anteil an Situationen, in denen Personen gesundheitlich bedroht und medizinisches Personal und Verantwortliche in der Politik in noch höherem Maß als sonst schon gefordert sind. Und doch bleibt ein Rest an Fragen, die wir meist nur im Zweiergespräch stellen können.

Wenn unterwegs oder im Dorf ein solcher Kontakt entsteht und es gelingt, offen auf wesentliche Fragen zu sprechen zu kommen, dann ist das sehr wohltuend und bewegend. Viele machen sich über Zusammenhänge Gedanken, die im Fernsehen nicht angesprochen werden.

Zum Beispiel: „Hoffentlich geht es nach dem Abklingen der Krise nicht weiter wie bisher!“ (Arbeitgeber und Arbeitnehmer, deren materielle Zukunft auf dem Spiel steht, können zu wirtschaftlichen Opfern werden. Das wollen wir nicht übersehen!) Ich glaube, Menschen drücken damit ihre Sehnsucht aus, nicht in der Überspanntheit der Anforderungen aus der Vor-Corona-Zeit weiterleben zu müssen.

Aber, kann das funktionieren? Unsere Gesellschaft scheint auf ein ständiges Wirtschaftswachstum angewiesen zu sein. Was würde dann geschehen, wenn wir den einfacheren Lebensstil beibehalten? Zumindest die Schöpfung atmet auf.

Wenn sich vermutlich durch diese Krise nichts ändern wird – außer, dass der Ruf nach noch mehr Zentralismus lauter wird – können wir für unser persönliches Leben Weichen neu stellen:

  • Mehrmals am Tag innehalten und sich fünf Gegebenheiten bewusst machen, für die ich dankbar bin.
  • Die Frage beantworten: Auf welche selbstauferlegte Belastung kann ich in Zukunft verzichten?
  • Welche Rolle spielt Jesus Christus z.Z. in meinem Leben und welchen Platz soll ER in Zukunft haben? (Erzähle jemanden von deiner Entscheidung und bitte die Person darum, für dich zu beten.)

~ Pfarrer Bernd Schieritz