Juni 2020

Wir leben in einer angespannten Situation. Einerseits können wir sehr dankbar sein, dass in unserem Bereich gesundheitlich, von Infektionen her, nur wenige Menschen vom Corona-Virus betroffen sind. Andererseits scheint es noch lange zu dauern, bis alles wieder im „grünen Bereich“ ist.

Ich frage mich, weshalb Ängste und Aggressionen gerade mit der Lockerung der Einschränkungen unserer Freiheiten an die Oberfläche gekommen sind? Vielleicht, weil der Schmerz erst so richtig mit dem Nachlassen der Ursache fühlbar wird. Wenn der Schock weicht, fühlt man den Schrecken. Wenn sich das Hochwasser verläuft, wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Manche werden im Urlaub oder im Ruhestand krank, weil die Anforderungen nachlassen. Und die Angst um die wirtschaftliche Zukunft! In dieser Gesellschaft bekommt man nur etwas, wenn man sich deutlich zu Wort meldet und die Anstrengungen noch einmal erhöht!

Und die Angst, unterzugehen, fremdbestimmt, beherrscht zu werden. Es ist wie, als ob wir auf den OP-Tisch müssten und die Selbstkontrolle verlieren würden. Denn es kursieren Befürchtungen, dass Regierungen und andere Kräfte diese Schwäche und Krise ausnutzen, um „die Stunde der UNO“ schlagen zu lassen, irgendeine Welteinheitsregierung und -Religion zu installieren und Zwangsmaßnahmen einführen, die wir in der Not zwar notwendig finden, aber anschließend nicht mehr abzuwenden sind.

Ich denke nicht, dass diese Zeit gekommen ist.

In der Bibel steht jedoch, dass so etwas kommen wird. Das macht Angst. Jesus weiß das.

Deshalb stehen diese Ankündigungen erst nach den vielen Kapiteln, in denen wir JESUS als Arzt körperlicher und seelischer Krankheiten, als Versorger in Not, als Freund der Kinder, als Befreier von Zwängen, Angst und Tod erleben. Und dann gibt er sogar noch sein Leben für die, die ihn auslachen, ignorieren oder gar nicht kennen. Und dann sehen wir ihn als den Auferstanden. Und dann als den, der mit der Himmelfahrt in den Herrschaftsbereich Gottes zurückgegangen ist und nun Vollmacht über den ganzen Kosmos hat. Und dann sendet er Seinen Geist. Damit wir nicht daneben stehen, sondern Sein Leben in uns tragen können.

Gab und gibt es auf dieser Welt eine Führungsperson, die so vertrauenswürdig ist? ER führt aus der Enge der Angst in die Weite des Lebens.

~ Pfarrer Bernd Schieritz