März 2020

„Authentisch wird zur neuen Wahrheit“

Andreas Poppart schreibt für ältere Christen über die junge Generation: „Man kann also nach dem Wertverständnis einer älteren Generation falsche Dinge leben und tun, aber trotzdem für eine junge Generation richtig leben, weil es authentisch ist. Die „richtig-oder-falsch-Frage“ hat der „ist-es-echt-Frage“ Platz machen müssen. Authentisch wird zur neuen Wahrheit und Werte werden durch die Gruppe (im Artikel: das eigene „Rudel“) definiert, weil in einer Schamkultur die Zugehörigkeit und das Nichtabgelehntwerden einen viel höheren Stellenwert hat als in einer Schuldkultur, wo es darum geht, das Richtige zu tun.“ (ideaSpektrum, Nr. 5, S.17)

Andere Kulturen betonen gegenüber einem objektiven Recht viel stärker die Norm des eigenen Clans. „Unsere Ehre“ darf nicht infrage gestellt werden! In Mitteleuropa erleben wir leider viel zu oft, dass auch in unserer schuld- und gewissenorientierten Kultur das Recht wie ein Kuchenteig nach allen Seiten ausgewalzt wird. Befindlichkeiten bekommen hohe Bedeutung und einfach, weil ein Gesetz älter als 40 Jahre ist, muss ein neues her. Die grundsätzliche Orientierung am (objektiven) Recht oder an der Moral der Gruppe sind aber schon verschiedene Entwicklungen.

Bei Jüngeren ist öfter der Satz zu hören: “Für mich fühlt sich das gut an.“ Ältere stellen sich die Frage: „Wenn das nun alle so machen würden?!“

Junge Menschen bringen oft mehrere Werte-Vorstellungen zusammen.

Ein Show-Star der Gegenwart, Kanye West, ein exzentrisches Genie, 21 Grammis, bekannte, Christ zu sein. Er führte ein ausschweifendes Leben und veröffentlicht das Album „Jesus ist König“. Auf die Frage, ob er sein altes Leben bereue, antwortete er: “Nein. Ich bereue nichts und ich schäme mich nicht für das, was ich getan habe. Aber ich habe begriffen, dass ich nicht perfekt bin und Gott schon.“

Werte-Vorstellungen verschieben sich. Aber Gefühle der Unzulänglichkeit (z. B. die eigene Figur betreffend), Ängste und Stress nehmen zu.

In den 6 Wochen vor Ostern bedenken wir, dass Jesus stellvertretend für die Menschheit am Kreuz starb. Dieses Leiden und Sterben Jesu gilt für alle Varianten menschlicher Erlösungsbedürftigkeit. Ob nun frühere oder heutige Prägung – wir dürfen mit unserer Enttäuschung und Schuld zu Jesus kommen.

Paulus schreibt: „Wir bitten im Auftrag von Christus: `Bleibt nicht Gottes Feinde! Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet!`“ (2. Korinther 5,20)

~ Pfarrer Bernd Schieritz