Oktober 2019

Irgendwo im Ausland wurde bei Touristen ins Auto eingebrochen und die wertvolle Fotoausrüstung, Geld und Ausweise gestohlen. Sie gingen sofort zur Polizei. Die Verständigung war gut möglich. Aufgebracht beschwerten sie sich bei den relativ ruhig wirkenden Beamten: „Wir kommen aus Deutschland. Wir haben ein Problem!“ Daraufhin entspannten sich die Polizisten und gratulierten ihnen freudig: „Das ist ja wunderbar, dass sie nur ein Problem haben! Wir haben hier Hunderte!“

Sicher sehen wir in Deutschland ebenso großen Bedarf, Ungerechtigkeiten, Not und drohender Gefahr zu begegnen! Die Wahlergebnisse zeigen, dass wir uns in einer kritischen Situation befinden! Viele leben mit einem Gefühl der Überforderung oder des Zornes. Es ist ein großer Kampf im Gang: Ich muss sehen, dass ich von der Torte großer Möglichkeiten ein gutes Stück ergattern kann! Und dann bleibt immer noch die Frage, ob es nicht noch besser oder mehr hätte sein können?!

Am 3. Oktober feiern wir 30 Jahre „Friedliche Revolution“ und am 9. November den Mauerfall. Es ist von enormer Wichtigkeit, sich an die Geschehnisse 1989 und davor zu erinnern. Besonders die über 35-Jährigen werden nachempfinden können, wie wichtig es ist, das Vergangene nicht zu vergessen. Das kostet Kraft – aber, es lohnt sich! Menschen haben damals ihr Leben riskiert. Denn früher durften wir nur wollen, was wir sollen. Das hat Hunderttausende auf die Straße gebracht!

Heute dürfen wir wieder denken. Wir dürfen reden. Wo wir schweigen, überlassen wir das Feld womöglich Strukturen der Zerstörung. Schimpfen und Jammern bringen nicht voran. Lasst uns in Gesprächen gut aufeinander hören und so reden, als ob wir öffentlich auftreten würden und Verantwortung für das Wohl des ganzen Ortes oder gar des ganzen Landes hätten! Unser Denken, Reden und Handeln begünstigt entweder Misstrauen und Hass oder Freundschaft und Segen. Jeder persönlich hat einen großen Einfluss!

 

~ Pfarrer Bernd Schieritz