Mai 2019

„Du sollst dir kein Bild(nis) machen.“ (2. Mose 20,4)

Das ist die Sünde früherer und heutiger Zeit. Wir machen aus dem Menschen ein Bild, das wir anbeten oder … das wir schlagen können.

Wir machen aus dem Juden den Sündenbock und vernichten ihn. …

Wir machen aus dem Arbeitgeber den Typ des Herrschers, gegen den jede Opposition recht ist. Wir machen aus den Arbeitnehmern den Typ der dauernd Unzufriedenen, gegenüber denen nur Druck am Platz ist.

Wir machen aus den Vorgesetzten den Typ solcher Aussauger, die man betrügen muss. Wir machen aus den Untergebenen den Typ der Schleimer, die wir übersehen können. So rückt sich sehr bald ein Bild vor des anderen Angesicht, um mit ihm fertig zu werden.

Das wusste Gott, dass sich durch diese Sünde der Mensch am anderen vergreifen wird. Darum das Gebot: Du sollst dir kein Bildnis machen!

Wir sollten heute darüber nachdenken: Habe ich mir ein Bild vom anderen gemacht, das gar nicht das Bild ist, das Gott ihm gab?

Ist die brüllende Person vielleicht ein ganz armer Mensch? Ist die stille Person eine heimliche Patientin? Ist der Machthaber ein von Dämonen Verfolgter? –

Gebet: Herr, lehre mich, die Menschen mit deinen Augen zu sehen. Bewahre mich davor, am allernächsten Menschen schuldig zu werden. Zeige mir, wer unter mir, unter meiner Art leidet. Heute noch will ich es ändern, Herr.

(Aus: Heinrich Giesen, „sehr persönlich“, 1974, S. 17)