Dezember 2018

Jemand, der im Sommer aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, erlebt besonders im Erzgebirge im Dezember die Verwandlung der Häuser, Dörfer und Städte. Was wird in dieser Person vorgehen? Beim Bummel durch die großen Märkte kommt ihr der Gedanke: Ja, genau deshalb bin ich hierhergekommen! Hier ist das Schlaraffenland, der Himmel auf Erden! Da die Personen womöglich noch nicht so viel deutsche Sprache verstehen kann, möchte sie sich ihr eigenes Bild machen, ohne jemanden zu fragen, weshalb wir das tun. Zu welchem Ergebnis würde sie kommen?

Weihnachten hat in unserem Kulturkreis sehr viel mit aufbauen und abbauen, hinräumen und wegräumen, kochen, backen, schenken und kaufen zu tun. Es ist für uns sehr angenehm, das tun zu können. Vielleicht sollten wir uns damit zufrieden geben. Das ist doch mit ein paar freien Tagen und abschließendem Silvesterrummel nicht zu verachten.

Was wollen wir eigentlich in der Kirche mit Weihnachten sagen?

Wir schauen uns genauer an, dass Jesus geboren wurde. Wann, wo, wozu, für wen? Die Krippenspiele versuchen, diese historische Tatsache in unser heutiges Leben hineinzunehmen. Z. B. sein Name. Den gab ihm seine Mutter auf Anraten des Engels. Jesus bedeutet übersetzt „Hilfe, Rettung“. Sein Name ist Programm. „Euch ist heute der Retter geboren,“ und zwar „für das gesamte Volk“, sagte der Engel. Für Arme und Reiche, für Kranke und Gesunde, für Frauen und Männer, für Suchende und Sichere, jedenfalls auch für dich.

Und retten will er uns vor allem aus: „Geht mich nichts an!“, „Ich bin zu unbedeutend!“ „Alles nur Hirngespinst!“

Aber Rettung aus Beziehungskrise, Erziehungskrise, Finanzkrise, Selbstwertkrise, u.a. Fragen – „da ist doch sicher etwas dabei“!

Damit gewinnt Weihnachten auch Bedeutung über den Jahreswechsel hinaus.

~ Pfarrer Bernd Schieritz