November 2018

Ist das nicht eine Zumutung, so mitten im Lauf des Alltages sich mit dem Ende des Lebens zu beschäftigen?

Bei dem diesjährigen Dauer-Sommer ist es kaum vorstellbar, dass nun eine trübere und dunklere Zeit kommen könnte. Der Monat November bildet natürlicherweise ab, wie in der Natur alles zurückgeht und sich das Leben von außen nach innen verlagert.

Im November endet das Kirchenjahr. Wir gedenken der Verstorbenen. Wir denken über Tod und Sterben nach. Ein Thema, mit dem sich nur diejenigen auseinandersetzen, die es müssen, weil sie einen direkten Anlass dazu haben. Zu unrecht.

“Ich glaube, jeder Mensch, der mit dem Tod im Reinen ist, kann besser lebendig sein.“ (W. Wenders)

Gerade unter jungen Menschen gibt es auch eine gewisse Sympathie für den Tod. Auf der Kleidung, in spezieller Musik, durch Rituale in schwarzen Messen und auch durch die Übernahme von Lehren aus nicht-christlichen Religionen geschieht eine Annäherung an diese Macht oder gar ein Bündnis mit ihr. Bestenfalls, um den Schrecken zu verlieren, schlimmstenfalls, weil Menschen keine andere Lösung sehen.

Wenn ich diese Frage lieber wegschiebe ist es ein Zeichen dafür, dass ich Handlungsbedarf habe. Diese Frage ist richtig nervig, weil sie sehr tief geht. Weil sie das gesamte Leben betrifft. Und gerade jetzt wollen wir in unserem Lauf des Lebens nicht aufgehalten werden.

Die Frage nach dem Tod ist letztlich so umfassend, wie die Frage nach dem Leben. Und das ist das Gute daran: Wenn wir jemanden für unser Leben gefunden haben, dann haben wir auch jemanden im Sterben. Wenn diese Kraft für alle Höhen und Tiefen des Lebens ausreicht, dann brauchen wir den letzten Fragen nicht mehr auszuweichen.

Der Apostel Paulus schreibt: Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. (Brief an die Philipper 1,21) Deshalb: „[…] jeder Mensch, der mit dem Tod im Reinen ist, kann besser lebendig sein.“

 

~ Pfarrer Bernd Schieritz